Kunstzentrum Tegel-Süd
Carita Schmidt
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Carita Schmidt

Copyright: Sanna Sjöswärd

Bildende Künstlerin und Kuratorin

(Malerei und Performance)

Atelier-Raum 220

Mobil: 0177 8816651

mailto:caritaschmidt@gmail.com

http://www.caritaschmidt.de/

Curriculum Vitae

Carita Schmidt, schwedisch-finnische Künstlerin, 1958 im deutschen Güstrow geboren wuchs in Deutschland und Finnland (ab 1969) auf. 1980 Auswanderung nach Schweden. Sie lebte und arbeitete von 1990 bis 2011 in Griechenland und ist seit 2012 freischaffend in Berlin tätig.

Änderung des ursprünglichen Namens 2000 -2012 zum Künstlernamen Caritta Schmidt.

2013 Wiederaufnahme von Carita Schmidt als Künstlername.


1980-89 Maskenbildnerin für Theater, Film und Fernsehen in Schweden
1983-86 Schülerin von Björn Lövin, einer der leitenden Künstler aus Schweden und ein bedeutender Entwickler im künstlerischen Ausdruck.
1986 Bachelor of Arts (BA), Filmhochschule (Dramatiska Institutet) Stockholm/ SWE
seit 1991 Freie Bildende Künstlerin

Theaterprojekte in Griechenland (u.a. künstlerische Mitarbeit): 1998 Der Reichtum (Plutos) v. Aristophanes; 1997 Die Bakchen v. Euripides. Seminare und Workshops in Griechenland, Kavala und Thessaloniki. Projekte in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendhilfsverbund (Auslandsprogramm)Kiel/GER
2000 Artist in Residence, Vermont Studio Center/ USA
2001 Studienaufenhalt in Brooklyn, NYC/ USA
1995-2007 Gründung der “Caritta Schmidt Kunstschule”, Kavala/ GRE. Ihre Assistentin Natascha Dimidriadou übernahm die Leitung der Schule bis 2011, in dem die Griechenlandkrise zur Schließung führte.
2007-2011 Leiterin und Kuratorin für das Schwedische Gästehaus „Kavallahuset“, Kavallahuset ist ein Schwedisches Gästehaus für Künstler, Kulturschaffende und Akademiker, Kavala/ GRE
2012  Eröffnung eines Malerstudios in Berlin im Kunstzentrum Tegel-Süd. Teilnahme an der Kunstmesse B.AGL und Gruppenausstellungen in Berlin. 

Mitgliedschaft
KRO, Staatlicher Verband für Künstler in Schweden            .
Svenska Konstnärer (Schwedische Künstler).           
E.E.T.E. (Chamber of Fine Arts in Greece).  
S.K.E.T.B.E. (Verein Nordgriechischer Künstler).  

Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen   Vafopoulio Kultur Center, Thessaloniki, Griechenland Kommunales Kunstmuseum Ptolemaida, Griechenland Private Sammlungen in Europa und den USA  

Einzelausstellungen (Auswahl von 12)  

2013  Tod, Liebe, Leben, Kulturhuset Multeum,  Strängnäs/ SWE 
2011  Adamah/Friktioner, Sigtuna Kulturgård / SWE
2010  Frekvenser, Galleri Orfeos 20, Xanthi/ GRE 
2006  Mo-Ve-Ments, Archäologisches Museum, Kavala/ GRE   
2001  Adamah, Geni Tzami, Thessaloniki/ GRE 
2000 Adamah II (Performance), Philippi (Archäologisches Gebiet in Nord-Griechenland)/ GRE
1999  Adamah I (Performance), Nea Karvali, Kavala 
1995  Metamorphose, Kommunale Kunsthalle ”Kapnapothiki”, Kavala/ GRE 

 

Gruppenausstellungen (Auswahl von 50)  

2013

B.AGL Kunstmesse, Contemporary International Art Mall, Berlin 
2012 Renaissance der Gesichter, Philip Johnson Haus, Berlin/ GER  Blickpunkte II, Rathaus Reinickendorf, Berlin/ GER
2010 Galerie Aenaon, S.K.E.T.B.E, Athen/ GRE 
2009 Galerie Orfeos 20, Xanthi/ GRE 
2008 1. Biennale Diadromes, Staatliches Museum für Gegenwartskunst  Moni Lazariston, Thessaloniki/ GRE Thalassa, Kommunale Pinakothek Thessaloniki/ GRE 1. Biennale Diadromes, Museum für Gegenwartskunst, Naoussa/GRE
2007 Galerie Orfeos 20, Xanthi/ GRE  Genius Loci, Demonen von Topou/ GRE  Kommunale Kunsthalle Kapnapothiki, Kavala/ GRE
2006  111+1 Artists, Gesellschaft für Makedonische Studien, Kunsthalle Thessaloniki/ GRE 
2005  VIII. Internationale Biennale für Miniaturen, Niksik, Herzegowina/ BIH 
2004 Galerie Rarity, Mykonos/ GRE 
2003 DIMITRIA (Kunstfestival), Gesellschaft für Makedonische Studien, Thessaloniki/ GRE  VII. Internationale Biennale für Miniaturen, Milanovac/ SRB
2002 Galerie Ios, Athen/ GRE 
2001 Galerie Lewis Wexler, Philadelphia/ USA 
2000 Galerie Aenaon, Athen/ GRE 
1999 Galerie Anemos, Athen/ GRE 
1998 Galerie Zina Athanasiadou, Thessaloniki/ GRE  Galerie Gripen, Karlstad/ SWE
1997 Galerie Armos, Serres/ GRE 

1991-93  

Galerie Diagonios, Thessaloniki/ GRE 

Carita Schmidt

CARITA SCHMIDT - EIN KÜNSTLERISCHES THEMA IN SERIEN

„TOD, LIEBE, LEBEN“ – „ADAMAH“ -„FRIKTIONEN“ - „MO-VE-MENTS“

Carita Schmidt schwedisch-finnische Künstlerin, 1958 geboren, wuchs in Deutschland, Finnland und Schweden auf. Von 1990 bis 2011 lebte und arbeitete sie als Künstlerin in Griechenland. Seit 2012 ist sie in Berlin freischaffend tätig. In ihren Werken und Ausstellungen als international agierende Künstlerin kommen verschiedene Künste, Sprachen und Kulturen zum Ausdruck.

Ihr vielschichtiges Werk zeigt ihre Faszination für Bewegung und deren figürliche Darstellung. Schnörkellos, ohne Spektakel unnötiger Linien verkörpern ihre Bilder Tiefe, Dichte und Substanz. Die Grenzen von Malerei und Zeichnung gehen oft fließend ineinander über. Großformatige Kohlezeichnungen auf Papier, Ölmalereien auf Leinwand, kleinformatige Aquarellstudien und filigrane Reliefs gehören zu ihrem Repertoire. Mit nur wenigen Strichen vermag sie, die menschliche Körperdynamik zu vermitteln. Die Einzigartigkeit des Menschen, seine Emotionalität und Verletzlichkeit und sein Streben nach Entwicklung steht stets im Vordergrund. Ihre menschlichen Figuren bewegen sich zwischen euphorischem Leben und kontemplativer Stille.

Seit 2000 bearbeitet und verarbeitet die Künstlerin ihre Gedankenflut zu Bewegungen und Metamorphosen mit immer neuen, verblüffenden Nuancen. Charakteristisch für ihr gesamtes künstlerisches Schaffen sind Bildserien (ADAMAH 2001, MO-VE-MENTS 2006, FRIKTIONS 2011), die mystische und humanistische Themen aufgreifen. Jedes einzelne Werk ist in sich abgeschlossen, bietet jedoch gleichzeitig Anregung für Ergänzungen und Weiterentwicklungen.

Ein wichtiger Ausgangspunkt für ihr künstlerisches Schaffen ist das Adamah Projekt, was auf hebräisch Ackerboden bedeutet. Es besteht aus drei Hauptwerken, zu denen zwei monumentale Kohlezeichnungen ("Ta panta rhei", 150 x 530 cm, 1999; „Here I am“, 150 x 330 cm, 2001) und ein Performance-Video gehören. Dieses wurde im Jahr 2000 in Philippi hergestellt. Diese antike Ruinenstadt im Nordosten Griechenlands kann allein in ihrer architektonischen Form als magischer Ort begriffen werden.

In ihrer Performance lässt die Künstlerin ein Tanzpaar auftreten, die beide mit Lehm bekleidet, bzw. damit vollkommen eingeschmiert sind. Diese haben die Aufgabe, durch improvisatorische Choreographie in ihrem Tanz den Lebenszyklus auszudrücken, gleichwohl die sich daraus zwangsläufig ergebende Katharsis (Reinigung). Der morastartige Boden des Tanzbereiches besteht ebenfalls  aus Lehm.

In einer dynamischen Bewegung verschmelzen Raum, Zeit und Körper. Entstehende Figuren und Strukturen haben keinen Bestand. Das Dazwischen- und das Aussersichsein lösen sich rasch in Körperfragmente auf. Die autonome Wirkung des Materials Ton/Lehm/Schlamm mit seinen haptischen und optischen Qualitäten demonstriert eindrücklich die Eigenständigkeit natürlicher Phänomene, wie Erde, Schlamm, Wasser und Wind. Als Ausdrucksmittel für Lebendigkeit, Unwägbarkeit und Geschichtslosigkeit übermitteln sie keine Informationen, sondern müssen erfahren werden.

In der Aktionskunst (Performance) ist der Körper das wichtigste Kommunikationsmittel. Er ist Informationsträger des sozialen, kulturellen und politischen Verhaltens. Aus psychoanalytischer Sicht wird er zum Werkzeug, um unbewusste und verdrängte Ängste freizusetzen. Er ist Spiegel schlimmster Exzesse und Grausamkeiten in der Gesellschaft. Als „schamanistisches“ Objekt, das menschliches Leid absorbiert, wird der Körper zur Metapher der Heilung. Verdrängte und abgelehnte Gefühle können sich in der symbolisch-orgiastischen Verwendung von Blut und Exkrementen äußern. Kunsthistorisch gab es derartige Veranstaltungen schon in den 1960er Jahren im sog. Wiener Aktionismus (Otto Mühl) oder 1963 das Fest des psycho-physischen Naturalismus (Hermann Nitsch).

Der Kunst stellt sich die Frage, wie man eine in Bewegung befindliche Geste festhalten kann, die sich im Moment der Rezeption längst schon verflüchtigt hat. Die Faszination dieser Frage hat seit Jahrhunderten die Künstler angespornt, das tänzerische Element in Plastik und Malerei zu übertragen. Kunsthistorisch betrachtet bestanden in der Vergangenheit stets entsprechende Annäherungen, wie beispielsweise die Fluxusbewegung in den 1950er Jahren. Erwähnenswert in Verbindung zum Tanz sind auch die im selben Zeitraum stattfindenden Entwicklungen in der Malerei durch den französischen Tachisten Georges Mathieu, der 1958 für seine ersten body prints mit Pigment beschmiert über Leinwände kroch. Ähnliches findet sich auch bei Yves Klein und Jackson Pollock u.v.a. Ursprünglich geht diese Idee auf eine alte Tradition japanischer Künstler zurück. Die Gutai Gruppe um Atsuko Tanaka verstanden sich als „lebende Pinsel“. Sie sprangen durch Papierwände, schleuderten Farben auf am Boden liegende Leinwände  und arbeiteten mit Licht und Leuchten wie im „elektrischen Kleid“ von Tanaka (1958). "Die gutai-Kunst verändert und verfälscht nicht das Material, sondern verleiht ihm Leben. In der gutai-Kunst reichen sich der menschliche Geist und das Material die Hand“ (Gutai Manifest 1956)

Die Präsentation der großformatigen Papierarbeiten von Carita Schmidt erfordern besondere Räumlichkeiten. Mit dem Titel „TOD, LIEBE, LEBEN“ (2013) beginnt die Künstlerin einen thematischen Neuanfang. Sie zeigt Werke, in denen sich der Mensch mit dem Planet Erde und seiner Natur in Einklang befindet. Dies spiegelt sich in Formen, Farben und Farbklängen wider. Das Video zu Adamah wurde 2012 musikalisch überarbeitet. In den beiden Skulpturen aus Plexiglas wird das Tänzerische in die Plastik übertragen. Die Figuren der Kohlezeichnungen scheinen den Betrachter fast zu berühren.

Die verschiedenen Medien sollen neue Dimensionen des Erlebens und Erfahrens eröffnen. Während Film und Video die reale Bewegung inszenieren, wird im Bild die Bewegung in erfahrungsfremde Sinnzusammenhänge gebracht. Dazu kommt die Lust am Fiktiven und am Spiel mit der Illusion. Die filmische Aufnahme einer Aktion bietet die Möglichkeit, der Vergänglichkeit der Zeit zu entkommen. Mit Zeichnung, Malerei, Skulptur und Video liegt die Aktion „Adamah“ auf einer anderen Zeitebene. Eine neue Wirklichkeit entsteht. Jede Art einer Bestandsaufnahme bedeutet zugleich den Tod einer Aktion, sichert ihr aber auch das Überleben. Ist die Aktion einmalig, hat sie den Anspruch auf Gültigkeit.

© Dr. Ulrike Oppelt, Kunsthistorikerin, Berlin, März 2013